Trans in der Bundeswehr – das geht! – #TMIishTuesday #73

The Trumpet aus den U, S und A hat mal wieder mit einem diskriminierenden Gesetz zugeschlagen. Transidente Personen sind bei Army nicht mehr willkommen. Aber wie ist die Lage eigentlich in Deutschland?

Hey there mighty people of the internet,

und willkommen zur 73. Ausgabe von #TMIishTuesday!

Wie immer starten wir mit meiner letzten Woche. Öhm
 Sehr “unarbeitsreiche” Woche. Sonntag schönes Abendessen auf dem Markt mit zwei hollĂ€ndischen Freunden. Und auf der Arbeit jetzt mal wieder Laune, weil gestern n neuer Praktikant in die Abteilung kam und heute ne neue Azubi, die ich einarbeiten darf. Wenn jetzt ab nĂ€chste Woche die anderen Azubis auch endlich wieder da sind, wird’s spaßig!

// Letzte Woche ging es an dieser Stelle um Chester Bennington’s Tod oder eher um Depression an sich. Wie man sie erkennt, was man dagegen tun kann – und auch wie man als Angehöriger oder Freund reagieren sollte. //

Nach dem traurig-unfassbaren Blick in die U, S und A1 im letzten #TMIishTuesday habe ich letzte Woche wieder entsetzt in diese Richtung geschaut. Diesmal hat sich zwar (noch?) niemand das Leben genommen, aber fĂŒr trans* Menschen wird das Leben jenseits des großen Teichs nun eindeutig schwieriger. FĂŒr transidente Soldaten sowieso, denn sie werden durch die Maßnahmen, die The Trumpet verfĂŒgt hat, ihrer gerade gewonnenen Gleichberechtigung wieder beraubt. Aber auch fĂŒr trans* folks außerhalb der Army dĂŒrfte sich die Stimmungsmache, die mit der Entscheidung einhergeht, deutlich bemerkbar machen.

Wo The Trumpet jetzt so drĂŒber getrötet hat, hat mich interessiert, wie es eigentlich in Deutschland um transidente Personen in der Bundeswehr bestimmt ist.

Im Januar hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ja einen Workshop organisiert, der von der Presse und etlichen Anderen als “Sex-Workshop” halb verspottet, halb schlichtweg belĂ€chelt wurde. Positive Stimmen gab es darauf jedenfalls wenige. Dabei fand ich das Zeichen gar nicht so schlecht. Das Thema war Vielfalt bei der Bundeswehr, einem Laden, der immer noch sehr von MĂ€nnern beherrscht wird und in dem “Anders-Sein” dem Anschein nach hĂ€ufig schrĂ€g angeschaut wird. Unter anderem wurde auch ĂŒber HomosexualitĂ€t und TransidentitĂ€t gesprochen. Was in deutschen Schulklassen immer noch weitgehend ausgeklammert wird, sollte also nun “mehr als 200 hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie der kompletten militĂ€rischen FĂŒhrung” (Zitat: Thorsten Jungholt, 31.01.2017) beigebracht werden. Nach dem Motto: Es gibt Homosexuelle. Es gibt transidente Menschen. Ach und behandelt sie wie Menschen.
So oder so Àhnlich stelle ich mir das vor.

Okay, vielleicht sollte ich nicht direkt wieder die halb-spottende, halb-erfreute Haltung von damals einnehmen, sondern mich auf die Fakten beschrĂ€nken. Der Workshop war also ein erster Schritt: Die Ministerin bringt den Bundeswehr-Obersten also hochoffiziell bei, was (u. a.) TransidentitĂ€t ist und dass man das akzeptieren sollte. Schon alleine, weil die Armee unter großem Personalmangel leidet und es sich schlichtweg nicht leisten kann, potentielle Interessenten zu vergraulen, weil sie als homo- oder transfeindlich dargestellt wird.

Bei der Bundeswehr scheinen nun Maßnahmen ergriffen worden zu sein, dass sich queere Menschen wohlfĂŒhlen und sie selbst sein können. So gibt es wohl Ombudsstellen, die vermitteln und aufklĂ€ren sollen, wenn queere Menschen das GefĂŒhl haben, diskriminiert zu werden.

Doch auch im Jahr 2013 wurde scheinbar schon ohne große Fragen mit der Transition einer Soldatin umgegangen und die Kosten fĂŒr die geschlechtsangleichenden Operationen, die sie wĂŒnschte, ĂŒbernommen. Allerdings spielt bei OPs sowohl der Status der_des Betroffenen eine große Rolle als auch der Truppenarzt. Dieser muss bescheinigen, dass durch die Geschlechtsangleichung keinerlei dauerhafte EinschrĂ€nkung im Arbeitsleben zu erwarten ist. Und scheinbar stĂ¶ĂŸt dieser Wunsch bei frisch eingestellte Soldat_innen auch nicht gerade auf Gegenliebe. Man sollte also wohl auch zwei Mal darĂŒber nachdenken, wann der richtige Zeitpunkt zur VerkĂŒndung ist – und ob man ĂŒberhaupt die Armee als Arbeitgeber wĂ€hlt (ganz abgesehen von ideologischen Fragen).

Heute mal ein etwas kĂŒrzerer Post. Fazit: TransidentitĂ€t ist bei der deutschen Armee kein Grund zur Ausmusterung. Dennoch gibt es gerade bei Transidenten, die im Beamtenapparat keine gehobene Stellung besitzen, noch deutliche Probleme bei der Akzeptanz. SpĂ€tere Nicht-Tauglichkeits-Attestierung inklusive. Daran sollte gearbeitet werden. Generell scheint aber die geltende Regel, dass man innerhalb der Bundeswehr nicht mobben darf, befolgt zu werden. Eiserne Disziplin hat eben auch positive Seiten.

Was haltet ihr von den neuen Trumpet’schen AuswĂŒchsen bezĂŒglich der Army? Hat es auch sein Gutes? Und wie seht ihr die Rolle der Bundeswehr? In Bezug auf TransidentitĂ€t und ganz generell. Schreibt mir gerne was in die Kommentare oder auf Twitter.

Der Queer Shoutout fĂŒr diese Woche geht an zwei junge MĂ€nner. Einer aus England, einer aus Australien. Sie eint vermutlich nicht viel. Beide sind schwul, kennen sich aber nur flĂŒchtig ĂŒber Twitter. Beide sind im selben Alter (21 und 22). Was klingt wie der kitschige Beginn einer Liebesstory, ist in RealitĂ€t viel dramatischer und lebensverĂ€ndernder.
Dean Eastmond’s Leben verĂ€nderte sich vor gut einem Jahr schlagartig. Bei ihm wurde Ewing-Sarkom in seinen Rippen festgestellt, eine aggressive Art des Knochenkrebses. Die Ärzte sagten ihm, die Chancen, dass er seinen Geburtstag (10 Monate spĂ€ter) noch einmal feiern könne, betrĂŒgen 50 %. Well
 Er hat es geschafft. Nach etlichen zermĂŒrbenden Chemo-Therapien. Was folgte waren allerdings RĂŒckschlĂ€ge und RĂŒckschlĂ€ge und RĂŒckschlĂ€ge. Ich möchte nicht zu viel spoilern, lest lieber Dean’s Blog. Es liest sich viel besser, wenn es von ihm selbst geschrieben wurde.
Dean mit seiner never-giving-up Einstellung suchte also nach anderen Methoden, um den Krebs zu bekĂ€mpfen, die er fand. Aber: Sie kosteten Geld. Sehr viel Geld. Und als vom Krebs gezeichneter junger Mann konnte er nicht arbeiten und hatte daher dieses Geld nicht. So tweetete er eines Abends, dass er nicht schon wieder einen Fundraiser starten wolle – als ein gewisser Troye Sivan, weltweit erfolgreicher, junger australischer Musiker, ihn anschrieb. Die beiden kannten sich flĂŒchtig ĂŒber Twitter, hatten aber scheinbar nicht viel Kontakt zueinander gehabt. Troye hatte Dean’s Tweets gesehen – und bot an, die Kosten fĂŒr die komplette Behandlung zu ĂŒbernehmen. Das verdient einen dicken Shoutout! FĂŒr einen Fremden, den er noch nie gesehen hat und ĂŒber den er wenig weiter weiß, so eine Summe ĂŒbrig zu haben – wow! Und ohne mit der Wimper zu zucken. Klar, Troye wird vermutlich nicht am Hungertuch nagen, aber das ist eine Geste, die mir wahnsinnig Respekt abverlangt. Zumal, weil er sie noch nicht mal auf Social Media angesprochen hat. Er hĂ€tte ja super PR daraus machen können. Tat er aber nicht. Ich habe nur davon erfahren, weil ich Dean auf Twitter folge.
Und das ist die Geschichte eines jungen Briten, der nun neue Hoffnung geschöpft hat – und dem ich gerne dabei zuschaue, wie er die Wissenschaft LĂŒgen straft! Und die Geschichte eines jungen Australiers, dessen Musik ich schon lange vergöttere, der mir durch sein Coming-Out-Video unglaublich geholfen hat – und der jetzt endgĂŒltig einen Gottheitsstatus bei mir erreicht hat!

Wie immer gilt: NĂ€chster #TMIishTuesday nĂ€chsten Dienstag um 20 Uhr. Fragen und Anregungen jeglicher Art, die in der Zwischenzeit aufkommen, unten die Kommentare oder auf Twitter. Nur zu – ich beiße nicht. 🙂

Until then: Stay mighty!

1 “U, S und A” hab ich jetzt einfach mal ganz dreist von YouTuber LeFloid geklaut.

Linkage:
– Thorsten Jungholt fĂŒr welt.de: “Let’s talk about Sex, Soldat
– tagesspiegel.de: “Leyen will mehr Offenheit bei der Bundeswehr: “Schwul, lesbisch, trans, hetero – sie sind willkommen
– Eva Steinlein fĂŒr sueddeutsche.de: “Transmenschen bei der Bundeswehr: Feldwebel Lisa Maike K., uneingeschrĂ€nkt diensttauglich
– Wikipedia.org: Ewing-Sarkom
– Queer Shoutout: Dean Eastmond for HisKind.com: “Thank You Troye Sivan, For Potentially Saving My Life
– Queer Shoutout: Troye Sivan’s Twitter

Mehr zum Thema Trans bei der Bundeswehr:
– Joachim Ortmann fĂŒr berliner-zeitung.de: “TranssexualitĂ€t und Bundeswehr: Im Dienst Offizier, nach Feierabend in Frauenkleidern
– Jana Anzlinger fĂŒr taz.de: “Trans* in der Bundeswehr: Bedingt vielfaltsbereit
– Christian Thiels fĂŒr tagesschau.de: “Sexuelle Vielfalt bei der Bundeswehr: Eine bunte Truppe

Mehr von mir:
– Letzter #TMI-ishTuesday: Depression suckt! (R. I. P. Chester Bennington) – #TMIishTuesday #72
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– Mehr #TMIishTuesdays zu LGBTQ+ Themen
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