Rettungsgassen retten Leben – #TMIishTuesday #71

Rettungsgassen: Jeder weiß, dass es sie gibt. Trotzdem werden sie – gerade in letzter Zeit – nicht gebildet. Warum sie so unglaublich wichtig sind – und wie man sie richtig bildet – in diesem Post.

Hey there mighty people of the internet,

und willkommen zur 71. Ausgabe von #TMIishTuesday. Irgendwann brauch ich da mal nen anderen, nen griffigeren Namen für. Vorschläge gerne in meine Richtung. Kommentare hier oder Twitter bieten sich an.

Aber zum ersten eigentlichen Programmpunkt: Meine Woche war gelinde gesagt stinklangweilig. Arbeit as usual und so. Insofern skippen wir direkt zum nächsten Punkt:

// Letzte Woche habe ich über den G20-Gipfel getobt – oder eher über die Ausschreitungen am Rande – und habe versucht, rauszufinden, wer denn jetzt die Schuldigeren sind: Polizei oder extremistische Idioten. Gerne mal reinlesen, wenn ihr’s noch nicht getan habt. //

“Getan” ist ein gutes Stichwort, denn beim heutigen Thema muss auch noch viel “getan” werden, damit es mehr ins Bewusstsein der Autofahrer gerät: Es um ein Benehmen, das mich schon seit Längerem irritiert und seit Kurzem einfach nur noch aufregt:

Autofahrer_innen*, die bei Stau keine Rettungsgasse bilden!

* steht hier für jegliche Verkehrsteilnehmer, ob sie nun Auto, LKW, Bus oder Transrapid fahren.

Das Thema ging ja neulich noch einmal durch die Medien, weil wiedermal keine Rettungsgasse gebildet wurde – diesmal bei einem schweren Busunfall auf der A9.

Der Begriff “Rettungsgasse” sollte jedem_r Autofahrer_in* im deutschsprachigen Raum ein Begriff sein, denn sie existiert – mit verschiedenen Vorgaben – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz. Zudem gibt es auch in Tschechien und Ungarn Regelungen dazu.

Ob sie in Deutschland allerdings tatsächlich existiert – dahinter würde ich mal ein dickes Fragezeichen setzen. Denn der Unfall auf der A9 war kein Einzelfall: Retter kommen einfach nicht zum Unglücksort durch, weil Autofahrer_innen*  keine Rettungsgasse bilden. Nicht erst seitdem höre ich in fast jedem Verkehrshinweis mindestens einmal: “Bitte bilden Sie eine Gasse für die Rettungsfahrzeugen”.

Beweis genug, dass es genügend Leute gibt, die nicht dran denken oder die StVO bewusst ignorieren. Dabei ist die Regel ziemlich simpel. Ja, sie ist in den eben genannten Staaten unterschiedlich. Aber zumindest die Regel in seinem eigenen Land sollte man als Autofahrer_in* doch kennen.

Um das Ganze nochmal kurz aufzufrischen: Der Rettungsassistent, der unsere Klasse vor vier Wochen besuchte, hat die deutsche Regel dazu ganz simpel anhand der rechten Hand erklärt: Der Zwischenraum zwischen Daumen und Zeigefinger, wenn die Hand am Lenkrad liegt, befindet sich auf der linken Seite der Hand. Dementsprechend wird zwischen der äußerst linken Fahrspur und der rechts daneben die Rettungsgasse gebildet. Links müssen die Autos* nach ganz links gelenkt werden, auf der daneben nach äußerst rechts. Egal, ob die Autobahn (oder sonstige Straße) 2, 3, 4 oder 5 Spuren in eine Richtung hat. Siehe dazu auch §11 (2) StVO.

Gehen wir weiter im gesetzlichen Rahmen: Wann muss eine Rettungsgasse gebildet werden?
A: Wenn der Verkehr nur noch maximal mit Schrittgeschwindigkeit rollt
B: Wenn der Verkehr endgültig zum Stillstand gekommen ist
C: Wenn die Sirene eines Einsatzfahrzeugs bereits im Rückspiegel aufblitzt

War ne Scherzfrage. Merkter selbst, ne? Natürlich ist A richtig. Leider sehe ich aktuell täglich – denn ich stehe leider täglich im Stau (danke, Baustelle auf meinem Arbeitsweg!) – dass dies nicht befolgt wird. Selbst, wenn der Verkehr richtig stockt – fährt 3 Meter, steht 20 Sekunden, fährt wieder 3 Meter, steht wieder 30 Sekunden – bleiben viele mittig in ihrer Fahrspur.

Das Problem an dieser Situation – die ja doch recht häufig vorkommt – ist einfach: Unfall weiter vorne (vielleicht sogar der Auslöser des Staus) und die Autos* im Stau stehen mitten auf der Fahrspur. Erst, wenn sie die Einsatzfahrzeuge im Rückspiegel sehen, besinnen sie sich, dass dafür die Rettungsgasse da ist und versuchen nach außen zu kommen. Aber versuch mal dein Auto (am besten noch mit Anhänger) einen Meter nach außen zu manövrieren, wenn du vor dir nur einen Meter Platz hast (denn wir wissen: Im Stau herrscht Krieg! Da wird dicht aufgefahren, damit der Nebenmann nicht dazwischen fährt).
Spoiler: Du kriegst dein Auto nicht mehr aus der Fahrspur! Folge für die Einsatzfahrzeuge: Sie müssen so lange warten, bis vorne mehr Platz ist und die Autos, die die Spur blocken, endlich weg sind. Stellt man sich das über 3-4 Kilometer vor, die es im besten Fall von einer Abfahrt bis zur nächsten sind, wird schnell klar: Das kostet unglaublich Zeit für die Einsatzkräfte!

Ich möchte an ein paar Szenarien verschieden schwerer Unfälle mal kurz darlegen, was das für Auswirkungen haben kann – sowohl für die Autofahrer_innen* die im Stau stehen, als auch für die Unfallbeteiligten. (Disclaimer: Ich bin kein Rettungsassistent, d. h. das hier ist alles selbst erdacht und vielleicht nicht 100 % korrekt. Berichtigungen sind gern gesehen!)

Szenario 1: Blechschaden. Fangen wir mit dem kleinstmöglichen Übel an. Es sind also einfach zwei Autos* ineinander gefahren, aber keine Personen zu Schaden gekommen. Wer kommt in so einem Fall? Richtig, die Polizei und zwei Abschleppwagen.
Folge einer verstopften Rettungsgasse: Die Polizei braucht schon etwas mehr Zeit als normal. Die Unfallstelle kann schon mal gesichert werden und die Zeugenbefragung aufgenommen werden. Aber der 7,5-Tonner, der als Abschleppwagen gerufen wird, hat deutlichere Probleme, einen Weg zu finden.
Folgen für die Unfallopfer, wie für die “Stauopfer”: Etwas mehr Zeitverlust als ohnehin schon, weil der Abschleppwagen nicht so schnell durchkam. Ist zwar nervig für alle Beteiligten, aber noch harmlos.

Szenario 2: Personenschaden. Es gibt Leichtverletzte. Wer kommt? Polizei, Abschleppwagen, Notarzt und Rettungswagen.
Folge einer verstopften Rettungsgasse: Das gleiche Bild: Der Polizei-Passat braucht schon gehörig länger als normal und sichert dann ab, aber auch der Notarzt hat etwas Verspätung. Rettungswagen (RTW) und Abschleppwagen brauchen dagegen richtig Geduld.
Folgen für die Unfallopfer und “Stauopfer”: Ordentlich extra Zeit, weil vier Konvois behindert wurden. Wieder sind die Folgen für alle Beteiligten nicht sonderlich schlimm.

Szenario 3: Schwerer Unfall. Ein Auto hat sich überschlagen, Insassen sind eingeklemmt. Wer kommt? Polizei, Abschleppwagen, Notarzt, Rettungswagen, Feuerwehr.
Folge einer verstopften Rettungsgasse: Unser Passat braucht lange, sichert dann ab, Notarzt beeilt sich wie sau, ist aber auch spät dran, der RTW braucht noch länger. Ganz zu schweigen von der Feuerwehr mit ihrem großen LKW. Und auch der Abschlepper braucht mehr Zeit.
Folgen für “Stauopfer”: Ordentlich extra Zeit, weil die Helfer behindert wurden.
Folgen für die Unfallopfer: Je nach Schwere der Verletzungen sehr unterschiedlich. Mit Glück kommen sie nur nicht raus, sitzen aber im Auto* noch recht “bequem”. Aber im Extremfall führt die fehlende Rettungsgasse zum Verlust des Lebens. Sekunden entscheiden da!

Szenario 4: Brennendes Fahrzeug. Oh, oh, da läuft was schief! Irgendwas brennt. Jetzt muss es aber schnell gehen! Wer kommt? Polizei, Abschleppwagen, Notarzt, Rettungswagen, Feuerwehr.
Folge einer verstopften Rettungsgasse: Der Passat braucht lange, der Notarzt beeilt sich, der RTW braucht noch länger, die Feuerwehr mit großem LKW braucht ne halbe Ewigkeit, der Abschlepper braucht auch recht lange.
Folgen für die “Stauopfer”: Verzögerungen durch selbst verschuldete Behinderungen von Einsatzkräften.
Folgen für die Unfallopfer: Verheerend! Wenn da einer im brennenden Auto sitzt und nicht raus kommt… Will man gar nicht dran denken! Auch hier: Sekunden entscheiden!

Szenario 5: Gefahrgut. Jetzt geht’s aber richtig los hier. Ein Gefahrguttransporter ist umgekippt und die Soße läuft auch noch auf die Straße. Wer kommt? Polizei, Abschleppwagen, Notarzt, Rettungswagen, Feuerwehr mit Kran, Spezialisten zur Reinigung der Fahrbahn – und vielleicht noch mehr. Ich bin kein Experte…
Folge einer verstopften Rettungsgasse: Der Passat braucht lange, der Notarzt beeilt sich, der RTW braucht noch länger, die Feuerwehr mit Schaum braucht sehr lange, beginnt dann mit dem “Aufsaugen” des Gefahrstoffs. Der Kran braucht ne ganze Ewigkeit, bis er endlich da ist. Mach mal sonem langen Gefährt den Weg frei, wenn du mitten auf der Fahrbahn stehst! Und die Reinigungs-Spezialisten sowie der Abschlepper kommen wieder einigermaßen gut durch, weil ja dann hoffentlich schon alle zur Seite gefahren sind.
Folgen für die “Stauopfer”: Sehr viel längere Wartezeit, weil kein Platz ist.
Folgen für die Unfallopfer: Siehe Szenario 4. Wenn da was in Flammen aufgeht… Sekunden entscheiden! So oder so.

Lange Rede – kurzer Sinn: Haltet verdammt nochmal ne Rettungsgasse frei! Und zwar sobald es stockt. Danke!

Bevor wir zum Queeren Shoutout kommen, bleibt heute eigentlich keine Frage über. Denn zu dem Thema gibt es keine zwei Meinungen… Schade. Also erzählt mir vielleicht eure Erfahrungen mit der Rettungsgasse. Haltet ihr sie immer ein?

Queer Shoutout?
Ich fasse mich kurz: Alex Bertie. Ein junger Brite, der in seinen Videos sowohl über seine Transsexualität als auch über viele andere Themen spricht. Gerade sein aktuelles Video hat mich beeindruckt. Es spiegelt zwar seine normale Video- und Tonqualität nicht wider, weil es vermutlich relativ spontan entstanden ist, aber das Thema ist das Wichtige: Sex als Transperson – und was es so mit sich bringt. Sehr interessant, denn so viel man auch in der heutigen Zeit auch im Internet zu Trans-Themen findet, so selten wird dieses Thema angesprochen. Vorbeischauen eindeutig empfohlen!

Wie immer gilt: Nächster #TMIishTuesday nächsten Dienstag um 20 Uhr. Fragen jeglicher Art, die in der Zwischenzeit aufkommen, unten die Kommentare oder auf Twitter. Nur zu – ich beiße nicht. 🙂

Until then: Stay mighty!

Linkage:
– Tagesschau.de: A9 bei Münchberg: Entsetzen nach schwerem Busunglück
– gesetze-im-internet.de: § 11 StVO 2013
– Queer Shoutout: Alex Bertie
Alex’s Video

Mehr von mir:
– Letzter #TMIishTuesday: G20 – Der Gipfel der Idioten – #TMIishTuesday #70
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